Coronahilfe – Erfahrungsbericht einer Tanzschule in Berlin Schöneberg

5000 € Novemberhilfe bisher für eine Tanzschule in Berlin Schöneberg ausgezahlt

Die versprochene Unterstützung von November und Dezember ist bis heute nicht angekommen. Das Geld wird knapper und Existenzangst macht sich breit.

Text von Katharina Schwenkner

Alle sprechen von Gastronomen, die angeblich zu den größten Leidtragenden der Coronakrise gehören. Doch niemand spricht von den Tanzschulen oder Ballettstudios, die schon seit April 2020 um das eigene Überleben kämpfen.

Um die November- und Dezemberhilfe beantragen zu können, muss ein Steuerberater beauftragt werden, der wiederum diese Arbeit in Rechnung stellt. Zweimal 300 € gingen erstmal vom Unternehmenskonto ab, bis der erste Teil der Novemberhilfe überhaupt ankam.

5000 € Abschlagszahlung der Novemberhilfe sind erst seit Mitte Dezember auf dem Konto. Der restliche Betrag lässt bis heute auf sich warten. Miete, Strom und Personalkosten laufen ganz normal weiter. Die Unternehmer selbst zahlen sich kein Gehalt mehr aus, da das Geld für die nächste monatliche Miete nicht mehr reicht. Diese liegt bei weit über 5000 € im Monat.

Gespräche mit dem Vermieter führten ins Leere. Man besteht auf die Miete. Eine Stundung von 3 Monaten wurde zugesichert. Wem nützt das? Der Schuldenberg wächst und wächst.

Bei der Dezemberhilfe kommt erschwerend hinzu, dass man sich nun zusätzlich beim Transparenzregister eintragen muss. Wer denkt dies sei ein minimaler bürokratischer Akt, hat sich geirrt. Schon bei der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung oder SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung oder wie sie nicht schon alles hießen, tauchten Tanzschulen erst auf Nachfrage auf. Auch beim Transparenzregister ist die Art von Geschäft oder Dienstleistung einfach nicht zu finden. Und was nun?

Dauerkunden, die Monatszahler, sind spätestens seit Dezember frustriert. Viele haben zum Jahresende gekündigt und lassen sich viele Gründe einfallen, um die Kündigungsfrist zu umgehen. Auch hier versucht man sich auf einen Kompromiss zu einigen, aber stets zum Nachteil für die Firma. Man ist machtlos. Verlangt man Geld, bangt man um eine schlechte Rezension. Wer kann das jetzt noch gebrauchen?

Kunden, die ein ganzes Jahr das Tanzstudio unterstützt haben, wollen jetzt zum neuen Jahr mit den Monatszahlungen aussetzen. Aber jetzt erhält man keinerlei Unterstützung seitens der Bundesregierung. Man ist verzweifelt, das Geld wird knapp. Monat um Monat wird die Schließungszeit verlängert. Neue Tanzkurse zu planen und sie zu bewerben ist somit unmöglich. Denn wann dürfen Tanzschulen wirklich wieder öffnen? In Zeiten des Sommerlochs?

Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren alle Tanzmitglieder motiviert weiterhin ihre monatlichen Beiträge zu zahlen, die Online Videos in Anspruch zu nehmen und per E-Mail stets Kontakt zu ihrer Tanzschule zu halten. Anders als bei einem Fitnessstudio zählt eine Tanzschule nicht so viele Mitglieder und hat somit auch nicht das Personal fünf oder mehr Sportkurse gleichzeitig online zu streamen. Bei einer Tanzschule, die hauptsächlich Paartanz anbietet, kommt erschwerend hinzu, dass neue Online-Kurse nur für Paare, die in einem Haushalt leben, infrage kommen. Die Kundengruppe, die schon generell eine kleine ist, wird noch weiter eingeschränkt.

Die Soforthilfe im Frühjahr wurde beantragt, einmal 5000 € und 9000 €. Diese Auszahlung kam innerhalb von 2 Tagen auf das Konto. Im Dezember hieß es dann, dass diese Soforthilfe bitte wieder zurückgezahlt werden soll. Soforthilfe ist nur eine Überbrückungshilfe. Wer Minuszahlen auf dem Konto vorweisen kann, hat Glück die Gelder zu behalten?

Im Juni 2020 durfte wieder mit 3 Tanzpaaren, nur Paare aus einem Haushalt, und einem Trainer pro Kurs geöffnet werden. Wo vorher 12 Paare gleichzeitig tanzten, wurden die Teilnehmer in 3 Gruppen aufgeteilt und die Tanzzeit verkürzt. Der Arbeitstag für den Lehrer wurde länger bei gleichbleibenden Einnahmen. Eine Beitragserhöhung in Zeiten wie dieser traut sich keiner, obwohl diese jetzt sehr nötig wäre.

Dauermitglieder kündigen, da sie sich betrogen fühlen nicht die vollständige Dienstleistung zu erhalten, da die Kurszeiten verkürzt worden sind. Angst vor Ansteckung spielt auch eine wesentliche Rolle weiterhin den Tanzkurs zu meiden.

Neukunden fehlen komplett, wie jedes Jahr im Sommer – das berühmte Sommerloch für Tanzschulen. Alle fahren in den Urlaub und wollen sich im Freien bewegen. Das Sommerloch wird normalerweise mit Hochzeitsvorbereitungskursen und Privatstunden gefüllt. Das fällt 2020 komplett aus.

Im Oktober 2020 starteten endlich wieder neue Kurse mit neuen Kunden. Diese mussten aber aufgrund der erneuten angeordneten Schließung durch die Bundesregierung wieder abgebrochen werden. Das heißt: Nach Wiedereröffnung – nach Ostern 2021? – müssen diese Kurse nachgeholt werden. Neue Kunden bleiben wieder aus. Und wer sagt, dass die Kunden, die im Oktober Zeit hatten, auch ganz spontan im April ihren Tanzkurs besuchen können oder wollen? Als Unternehmen zeigt man sich kulant und lässt alle frei wählen, wann sie gern ihre Tanzstunden nachholen wollen.

Tanzschulen benötigen auch nach Wiedereröffnung dringend Unterstützung, da der Großteil der Kundschaft weggebrochen ist. Anders als beim Friseur besteht keine Notwendigkeit ins Tanzstudio zu gehen. Eine Kundschaft, die man jahrelang aufgebaut hat und so plötzlich verliert, ist nicht mal so eben auf die Schnelle wiederaufzubauen.

Fotos zum Verwenden für Artikel © Tanzschule weRK36

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